Der Beruf und die tägliche Arbeit von LehrerInnen ist eine sehr anspruchsvolle und eine sehr anstrengende Ange-legenheit. „Immer am Limit“ –
so titelte das ZDF-Magazin 37°. Im letzten Newsletter berichteten wir über die Betroffenheit in der Debatte im Bildungskonvent ebenso wie über
die daraus erwachsende Notwendigkeit, über ein neues Verständnis des Lehrerberufes nachzudenken, über andere Unterrichtsformen und eine
effektivere Schulorganisation.
In seiner Sitzung am 12. Januar waren diese Fragestellungen wiederum Gegenstand der Debatte. Die Mitglieder der AG Verbesserung von
Bildungschancen nahm den Bericht der Landesregierung zur Auswertung der Berichte über Ergebnisse der externen Evaluation im Schuljahr
2006/2007 entgegen. Dabei ging es nicht um Schuldzuweisungen an Lehrkräfte, sondern sehr viel mehr um eine entwaffnend offene Analyse, dessen,
was sich an den Schulen Sachsen-Anhalts tut oder eben nicht tut. ... mehr
Einige LeserInnen werden sich erinnern: kürzlich zeigte die ZDF-Serie 37° einen gleichnamigen Film. Die Arbeitsgruppe „Verbesserung der Bildungschancen“ – derzeit mit dem Thema der LehrerInnenausbildung befasst – nahm sich zu Beginn ihrer Sitzung die Zeit, um sich diesen Kurzfilm anzusehen. Gesprächsstoff gab es dabei allemal. Auch darüber, wie LehrerInnen künftig ausgebildet werden sollen. ... mehr
Sachsen-Anhalt hat ein Problem: Immer mehr Schülerinnen und Schülern wird ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert – vor allem große
Lernbeeinträchtigungen und Defizite in der emotionalen und sozialen Entwicklung sind die Symptome. Ursache ist in den allermeisten Fällen
keineswegs eine körperliche Schädigung, wie es der Begriff der Lernbehinderung vielleicht vermitteln mag, sondern die soziale und emotionale
Vernachlässigung der Kinder - durch Eltern und durch ihr soziales Umfeld, darunter auch das Bildungssystem. Dort liegt das eigentliche Problem.
Der Chef der GEW Thomas Lippmann hat im Januar in den Medien dazu eine längst überfällige Debatte angestoßen.
In den vergangenen Wochen besuchten einige Mitglieder der Fraktion DIE LINKE fast 10 ausgewählte Förderzentren um mit den dortigen KollegInnen
die Entwicklung der schulischen Integration von SchülerInnen mit Behinderung zu beraten. ... mehr
Die Pressemitteilung des Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat für Eklat und Aufregung gesorgt. Thomas Lippmann hatte den
hohen und vor allem steigenden Anteil von SchülerInnen in Sachsen-Anhalt scharf kritisiert, die in die Förderschulen – insbesondere denen für
Lernbehinderungen - verwiesen werden, um dort einen Bildungsabschluss zu erwerben, der für eine Integration von Kindern und Jugendlichen in den
Arbeitsmarkt mehr oder weniger untauglich ist. Die Förderschulen verglich er in diesem Zusammenhang mit Bildungsghettos, die ….
Das hat für heftige, allerdings auch sehr verschiedene Reaktionen hervorgerufen.
Der Kultusminister des Landes beeilte sich zu erklären, dass alle Bildungsabschlüsse – auch die unterhalb des Hauptschulabschlusses – des
persönlichen Respekts bedürfen, also als ein individueller Erfolg zu verbuchen sei. Die Äußerungen Lippmanns seien deshalb scharf zurückzuweisen.
Frau Feußner, bildungspolitische Sprecherin der CDU forderte aus dieser Sicht folgerichtig den Rücktritt Lippmans als GEW-Chef.
Die LINKE verwies dagegen in diesem Zusammenhang darauf, dass der eigentliche Skandal der signifikante Anteil von Bildungsarmut bei Kindern und
Jugendlichen sei und der mache sich vor allem am wachsenden Anteil von Haupt- und Förderschulen deutlich. Die mangelnde Integrationsfähigkeit der
allgemeinen Schule sein ein Problem, was unverzöglich im Bildungskonvent zu diskutieren sei.
Was ist zu sagen zu den Bildungsangeboten in den Förderschulen? Wer ist Schuld an der signifikanten Bildungsarmut in Sachsen-Anhalt? Wer stigmatisiert hier wen?
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In der Sozialpolitischen Programmatik fast aller Parteien vollzieht sich ein Paradigmenwechsel. Vom Wandel hin zu vorsorgender Sozialpolitik
ist die Rede. Bildung wird oder soll zu einem essentiellen Standbein der Sozialpolitik werden. Dafür gibt es gute Gründe: Bildung schützt vor
Armut, so heißt es. Gute Bildungschancen eröffnen am ehesten ein Leben in Selbstbestimmung und Autonomie – auch ein Bestandteil der
programmatischen Beschlüsse der Linkspartei.PDS in Sachsen-Anhalt. Allerdings: Unter diesen Grundsatz passt so ziemlich jeder und jede politisch
Interessierte. Senkt man jedoch die Flughöhe dieser Grundsätze, so stößt man sehr schnell an schwierige Fragestellungen, die eine Antwort alles
andere als leicht und unkompliziert erscheinen lassen. Welchen Stellenwert besitzt eigentlich noch die Benachteiligtenförderung. Gehört sie zur
nachsorgenden oder zur vorsorgenden Sozial-politik. Gehört die integrative Schule – beispielsweise im Kontrast zum Konzept der Förderschulen
für Menschen mit Behinderungen – zur Vorsorge oder zur Nachsorge. Und vor allem: Wie ist dieser Paradigmenwechsel zu bewerkstelligen.
Die traditionelle Teilung von Bildung und Soziales ist ein untrügliches und zugleich betrübliches Markenzeichen deutscher Politik und fast aller
ihrer Institutionen. BildungspolitikerInnen haben zumeist eine andere „Denke“ als SozialpolitikerInnen, die Felder des Engagements sind fein
säuberlich voneinander getrennt und haben es schwer mit der Kooperation geschweige denn mit einer Integration.
Was sollte also ein Sozialverband mit BildungspolitikerInnen zu bereden haben, wenn es um praktische Politik geht? Ein gemeinsames Treffen
des Arbeitskreises Bildung und Soziales der Landtagsfraktion mit zwei großen Sozialverbänden – dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband
in Sachsen-Anhalt und dem AWO-Landesverband - hatte diese Hürde jeweils zu nehmen. Es sollte einmal nicht an erster Stelle um Fragen der
traditionellen Sozialpolitik gehen, sondern darum, was Bildungspolitik leisten muss, um über den Tellerrand von Schule hinauszukommen,
um die vielen verschiedenen sozialen Fragen in den Blick zu nehmen?
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